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„VfR Aalen für jeden Gegner sehr gefährlich“

Stephan Schmidt musste zu Saisonbeginn 16 neue Spieler bei den Kickers integrieren.

Stephan Schmidt (41), neuer Trainer unseres samstäglichen Gastes Würzburger Kickers, hatte sich den Saisonstart ganz anders vorgestellt. Nach sieben Spieltagen belegt der Zweitliga-Absteiger aus Unterfranken auch eine Liga tiefer einen Abstiegsplatz und hat erst fünf Punkte auf dem Konto. Vor allem vor eigenem Publikum blieben die Kickers bislang hinter den Erwartungen zurück, warten noch auf ihren ersten Heimsieg. Allerdings hatte Trainer Schmidt, der in der vergangenen Saison noch für die U 17 des Bundesligisten FC Schalke 04 verantwortlich war, auch die schwierige Aufgabe, insgesamt 16 neue Spieler in den Kader zu integrieren. Vor dem heutigen Gastspiel beim VfR Aalen in der „Ostalb Arena“ führten wir mit dem gebürtigen Berliner folgendes Interview.

Nach der 2:3-Heimniederlage gegen Ihren früheren Verein SC Paderborn 07 sind die Würzburger Kickers wieder auf einen Abstiegsplatz abgerutscht. Dabei hatte Ihre Mannschaft in Unterzahl einen Zwei-Tore-Rückstand aufgeholt. Ist eine solche Niederlage besonders bitter, Herr Schmidt?

Schmidt:„Das Zustandekommen dieser Niederlage war auf jeden Fall bitter. Wir mussten 85 Minuten mit zehn Mann auskommen, haben aber dennoch große Moral bewiesen und gegen den Tabellenführer einen 0:2-Rückstand mit zehn Mann wettgemacht. Dann noch das 2:3 zu kassieren, schmerzt. Aber das ist jetzt abgehakt. Wir nehmen vielmehr das Positive mit.“

Nach sieben Spieltagen stehen fünf Punkte auf dem Konto. Wie beurteilen Sie die Punktausbeute, aber auch die Leistungen Ihrer Mannschaft?

Schmidt:„Leistungen und Punkte stehen in einem Missverhältnis. Wir haben gezeigt, dass wir bislang alle Spiele auch für uns hätten entscheiden können. Das haben wir aber nicht geschafft. Deshalb ist die Ausbeute unbefriedigend.“

Nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga gab es bei den Kickers einen großen personellen Umbruch. Gleich 16 neue Spieler mussten in die Mannschaft integriert werden. Worauf kam es für Sie als neuen Trainer besonders an?

Schmidt:„Dass wir quasi ein komplett neues Team zusammenstellen mussten, brachte der Abstieg mit sich. Wir wussten von Beginn an, dass es einige Zeit dauern wird, um auch als echte Einheit zusammenzuwachsen. Aber wir haben gerade in den Phasen, in denen wir nicht gepunktet haben, Zusammenhalt bewiesen und gezeigt, dass das Team intakt ist. Mit dieser Moral und dieser gewachsenen Geschlossenheit müssen wir uns jetzt auch belohnen.“

Haben Sie einen so schwierigen Saisonstart erwartet?

Schmidt:„Allen war klar, dass es für eine neue Mannschaft auch zu Rückschlägen kommen kann. Darauf waren und sind wir alle im Verein vorbereitet. Betrachtet man jedes Spiel für sich, hätten wir allerdings mehr Punkte holen müssen.“

Nicht zuletzt wegen einiger vielversprechender Zugänge waren die Kickers vor Saisonbeginn zumindest als Mitfavorit auf den direkten Wiederaufstieg gehandelt worden. Wie lautet Ihre persönliche Zielsetzung?

Schmidt:„Dass uns viele als Favoriten gesehen haben, fußt auf einem oberflächlichen Automatismus. Ein Zweitligaabsteiger gilt automatisch als Favorit. Wir aber sind kein Absteiger wie jetzt etwa der Karlsruher SC oder in der vergangenen Saison der MSV Duisburg, die selbst sofort erklärt hatten, direkt wieder aufsteigen zu wollen. Für uns war immer klar, dass wir Schritt für Schritt gehen und uns als Mannschaft konsolidieren müssen. Dann werden sich auch die Resultate einstellen.“

Spüren Sie aufgrund der über einen langen Zeitraum äußerst erfolgreichen Arbeit Ihres Vorgängers Bernd Hollerbach eine gewisse Erwartungshaltung im Umfeld?

Schmidt:„Bernd Hollerbach hat den Verein in seiner Zeit stark mitgeprägt. Er war mit den aufeinanderfolgenden Aufstiegen in die 3. Liga und die 2. Bundesliga sehr, sehr erfolgreich. Kaum jemand hatte den Kickers diesen Weg zurück in den Profifußball überhaupt zugetraut. Jetzt aber befinden wir uns in einer neuen Phase. Ich habe von Beginn an gesagt, dass die Fußstapfen, die Bernd hier hinterlassen hat, sehr groß sind. Für uns gilt es, einen Schritt nach dem anderen zu gehen.“

„An welchen Stellschrauben müssen Sie besonders drehen, um die Mannschaft möglichst dauerhaft auf Erfolgskurs zu bringen?

Schmidt:„Was wir benötigen, sind konstante Leistungen über 90 Minuten. Diese gilt es, in den nächsten Spielen abzurufen. Dann kommt auch unsere individuelle Qualität zum Tragen. Wir wussten von Beginn an, dass wir in einer Mentalitätsliga spielen, in der eine Basis notwendig ist.“

An diesem Spieltag steht die Partie beim VfR Aalen auf dem Programm. Auswärts hat Ihre Mannschaft bislang mehr Punkte geholt als vor heimischer Kulisse. Woran liegt das?

Schmidt:„Beim 1:0-Erfolg in Zwickau haben wir beispielsweise gezeigt, dass wir wissen, worauf es auswärts ankommt. Wir müssen zuerst eine Kompaktheit herstellen. Wenn uns das gelingt, dann sind wir in jedem Spiel in der Lage, auch mindestens ein Tor zu erzielen.“

Aalen belegt aktuell einen Platz im vorderen Tabellendrittel. Was trauen Sie der Mannschaft Ihres Kollegen Peter Vollmann in dieser Saison zu?

Schmidt:„Der VfR Aalen hat trotz der schwierigen wirtschaftlichen Situation im Umfeld eine starke letzte Saison gespielt. Das Team von Peter Vollmann ist in allen Mannschaftsteilen weitgehend zusammengeblieben. Aalen ist eingespielt, weiß um die eigenen Stärken. Ich traue dem VfR auch jetzt wieder zu, sich konstant im vorderen Drittel der Tabelle zu bewegen. Für uns wird es ein schweres Spiel.“

Wo sehen Sie die Stärken und Schwächen des VfR?

Schmidt:„Die größte Stärke ist mit Sicherheit die Eingespieltheit. Die Automatismen sind vorhanden, Aalen verteidigt stark, beherrscht das schnelle Umschaltspiel - das ist für jeden Gegner sehr gefährlich.“

Worauf wird es gegen Aalen ankommen, um dort punkten zu können?

Schmidt:„Auf die bereits angesprochene Basis unseres Spiels und die Kompaktheit. Dann können wir auch unsere Stärken ausspielen.“

Wie schwer wiegt der Ausfall von Dennis Mast nach seiner Roten Karte gegen Paderborn?

Schmidt:„Dennis ist Stammspieler, ein sehr flexibler Offensivmann mit einem hohen Tempo. Wir werden seinen Ausfall kompensieren, da bin ich mir sicher. Andere im Team sind heiß darauf, seinen Platz einzunehmen. Auch das spricht für unsere Geschlossenheit und den Teamgeist. Was uns aber weitaus mehr ärgert, ist die Tatsache, dass wir zuletzt bei einigen Entscheidungen wie der Roten Karte gegen Dennis nicht gerade bevorteilt worden sind.“

Können Sie sonst auf Ihre Bestbesetzung zurückgreifen?

Schmidt:„Die zuletzt gesperrten Jannis Nikolaou und Björn Jopek kehren für die Partie in Aalen in den Kader zurück. Bei Maximilian Ahlschwede müssen wir abwarten. Ihm wurde im Spiel gegen Paderborn die Nase gebrochen.“


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