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"Nie besonders angenehm, in Aalen zu spielen"

Torsten Ziegner und der FSV Zwickau sind vom Verletzungspech gebeutelt. Sage und schreibe vier Kreuzbandrisse haben die Westsachsen zu beklagen.

Seit dem 1. Juli 2012 trainiert der frühere Profi Torsten Ziegner (39) unseren kommenden Gast FSV Zwickau. Gleich nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn wechselte der frühere Mittelfeldspieler bei den Westsachsen vom Platz auf die Trainerbank und leistet seitdem äußerst erfolgreiche Arbeit. 2016 führte Ziegner den ehemaligen Zweitligisten zur Meisterschaft in der Regionalliga Nordost und zum Aufstieg in die 3. Liga. Dort folgte trotz einer schwachen Hinserie der souveräne Klassenverbleib mit dem starken fünften Tabellenplatz. Auch in dieser Saison legten die Zwickauer einen Fehlstart hin, fanden dann aber nach und nach in die Spur. 

Herr Ziegner, am letzten Spieltag wurde die Positivserie Ihrer Mannschaft von vier Spielen ohne Niederlage durch ein 1:3 gegen Tabellenführer SC Paderborn 07 gestoppt. Sehen Sie das als Rückschlag an?

Ziegner: "Klares Nein. Es war vielmehr eine Niederlage, mit der ich gut leben kann, denn Paderborn ist in dieser Saison echt gut. Gegen den SCP werden noch ganz andere Mannschaften verlieren. Außerdem hat unsere Leistung gestimmt, wir waren sehr stabil. Zwei Gegentreffer sind durch Elfmeter gefallen. Am Ende hatten wir nicht das nötige Matchglück. Ich bin davon überzeugt, dass wir in den nächsten Wochen den Eindruck der zehn Punkte aus den vergangenen fünf Spielen bestätigen werden."

Was hatte Ihre Mannschaft zuvor so stark gemacht?

Ziegner: "Wir haben uns auf unsere Stärken zurückbesonnen. Wir spielen aggressiv, laufstark und leidenschaftlich. Außerdem ist es kein schlechtes Zeichen, dass unsere zehn Saisontreffer von acht verschiedenen Spielern erzielt wurden. Das entlastet unseren Toptorjäger Ronny König und die Gegner können sich beim Verhindern von Toren nicht auf einen einzelnen Spieler konzentrieren, da wir mit allen Mannschaftsteilen Gefahr entwickeln."

In welchen Bereichen muss sich Ihre Mannschaft steigern?

Ziegner: "Wir können fußballerisch noch besser auftreten, das haben wir in der Vergangenheit schon gezeigt. Vor allem bei eigenem Ballbesitz können wir uns noch steigern und besser von hinten heraus das Spiel eröffnen. Daran arbeiten wir momentan täglich im Training."

In die aktuelle Spielzeit war Ihr Team mit zwei Punkten aus sechs Spielen nicht gut gestartet. Haben Sie eine Begründung für die schwankenden Ergebnisse?

Ziegner: "In den ersten Ligaspielen wurden unsere Fehler gnadenlos mit Gegentoren bestraft. In der Offensive haben wir dagegen zu viele Chancen benötigt, um ein Tor zu erzielen. In der 3. Liga darfst du dir keine Auszeit erlauben. Sie ist verrückt eng.“

In der vergangenen Saison belegte der FSV Zwickau nach der Hinserie den vorletzten Tabellenplatz, um in der Rückrunde richtig durchzustarten und neben Zweitliga-Aufsteiger Holstein Kiel zum erfolgreichsten Team zu werden. Welche Lehren haben Sie gezogen?

Ziegner: "In der Liga gibt es keine leichten Gegner. Gleichzeitig sind wir aber auch in der Lage, jeden Gegner zu schlagen. Außerdem ist ein breiter Kader wichtig. Im Laufe einer Saison wird jeder Spieler gebraucht."

Hat die starke Rückrunde für eine gewisse Erwartungshaltung im Umfeld gesorgt?

Ziegner: "Innerhalb des Vereins können wir das seriös einschätzen. Maßgebend für uns ist auch in dieser Spielzeit der Klassenverbleib. Diejenigen, die geglaubt haben, dass es nach Platz fünf im Vorjahr so weitergeht, sind spätestens nach den ersten Spielen zurück auf dem Boden der Tatsachen gelandet. Nur gemeinsam mit den Zuschauern und dem gesamten Umfeld können wir den Klassenverbleib schaffen."

Im Sommer kamen insgesamt 14 Spieler, 16 Akteure verließen den Verein. Weshalb der große Umbruch?

Ziegner: "In dieser großen Form war das eigentlich gar nicht geplant. Wir hatten vor, unsere Leistungsträger zu halten. Jonas Acquistapace wollte aber mit seinem Wechsel zu den Sportfreunden Lotte näher an seine Heimat, Patrick Göbel ist zu den vor der Saison ambitionierten Würzburger Kickers gewechselt und Jonas Nietfeld hatte ein Angebot aus der 2. Bundesliga vom SSV Jahn Regensburg. Da konnten wir nicht mithalten. Bei anderen Spielern war es so, dass wir sie gerne gehalten hätten, sie aber unzufrieden mit ihrer Situation in der vergangenen Spielzeit waren. In der Spitze des Kaders wollten wir besser werden und haben Spieler mit Potenzial geholt. Allerdings muss man ihnen auch eine gewisse Eingewöhnungszeit zugestehen."

Während der Länderspielpause hatten Sie ein Testspiel gegen den Zweitligisten SSV Jahn Regensburg angesetzt. Welche Erkenntnisse konnten Sie gewinnen?

Ziegner: "Es war trotz unserer 1:2-Niederlage ein sehr positiver Test. Wir haben positionstechnisch und von der Taktik einiges ausprobiert. Für die Spieler, die zuletzt weniger Einsatzzeiten hatten, war es wichtig, die athletische Belastung einer Partie zu absolvieren. Einige Spieler haben sich anbieten können und gezeigt, dass ich sie jederzeit bringen kann. Dass sie mehr als nur Einwechselspieler sind. Genauso muss man aber auch sagen, dass einige Jungs die Chance nicht haben nutzen können. Die Spieler wissen intern Bescheid."

Ihr kommender Gegner ist der VfR Aalen. Wie schätzen Sie den VfR ein?

Ziegner: "Aalen verfügt über eine hohe Geschwindigkeit in der Offensive und hat ein gutes Umschaltspiel. In der Defensive steht der VfR sehr stabil. Es ist nie besonders angenehm, in Aalen zu spielen."

Wie wollen Sie zum Erfolg kommen?

Ziegner: "Wir müssen die Stärken des VfR möglichst klein halten, indem wir gut gegen den Ball arbeiten und die Aalener möglichst weit von unserem Tor fernhalten. Gleichzeitig gilt es, unsere Spielweise durchzubringen."

Welche Spieler stehen Ihnen nicht zur Verfügung?

Ziegner: "Robert Koch, Ali Odabas und Alexander Sorge fallen mit ihren Kreuzbandrissen noch sehr lange aus. Auch Christoph Göbel wird nach seinem Kreuzbandriss noch ein paar Wochen benötigen, um wieder eine Option für den Kader zu werden.“ (MSPW)


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